Von Fischernetzen zu Leitungsschutzschaltern
Praxisbeispiel
Von Fischernetzen zu Leitungsschutzschaltern
Hager denkt Material neu – so wird die Materialbeschaffung zum Treiber für Dekarbonisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz.
Zahlen und Fakten
des CO₂-Fußabdrucks von Hager entfallen auf erworbene Waren (2025)
CO₂ pro Tonne CO₂-armes PVC (Durchschnitt, 2025)
voraussichtliche CO₂-Reduktion bis 2030 (recycelter Kunststoff)
Vermeidungskosten bei Verpackungen aus Recyclingkarton
Beginn der Umstellung auf PVC aus Produktion mit erneuerbaren Energien
In einer Recyclinganlage in Europa werden ausgediente Fischernetze und abgenutzte Teppiche in ihre Grundbestandteile zerlegt. Die von LATI Industria Termoplastici S.p.A. entwickelten Hochleistungskunststoffe bestehen aus Polymermaterial, das durch chemisches Recycling mittels Depolymerisation gewonnen wird. Von Neuware nicht zu unterscheiden, finden sie bei Hager in einer völlig anderen Form ein neues Einsatzgebiet: als Hochleistungskunststoff-Komponenten in der neuen MCB Commercial Platform, einer Produktreihe von Leitungsschutzschaltern für Gewerbegebäude. Die CO₂-Einsparung: 32 % pro Tonne gegenüber Neuware-Kunststoff1.
Der Weg vom Abfall zum präzisionsgefertigten Leitungsschutzschalter steht beispielhaft für den grundlegenden Wandel im Umgang von Hager mit Werkstoffen.
Erworbene Waren machten im Jahr 2025 32 % des CO₂-Fußabdrucks von Hager aus. Damit gehört die Materialauswahl zu den wirkungsvollsten Instrumenten, um Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. „Gemeinsam mit unseren Partnern identifizieren und validieren wir CO₂-ärmere Materialien, die die geforderten Leistungsmerkmale erfüllen und gleichzeitig die Umwelt entlasten“, sagt Laeticia Dietrich, Sourcing Sustainability Specialist.
Drei Wege, eine Kennzahl
Der Ansatz von Hager im Rahmen des Blue Planet Commitment basiert auf einer dreistufigen Methodik. Jede Option wird anhand ihres ökologischen Nutzens und ihrer wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit bewertet. Priorität erhalten die Lösungen mit dem größten Gesamtnutzen.
Im Arbeitsalltag auf der Baustelle wird die Materialstrategie von Hager greifbar: CO₂-ärmere und recycelte Materialien kommen in Produkten zum Einsatz, die für den täglichen Einsatz in Gebäuden entwickelt wurden.
Gemeinsam mit unseren Partnern identifizieren und validieren wir CO₂-ärmere Materialien, die die geforderten Leistungsmerkmale erfüllen und gleichzeitig die Umwelt entlasten.
Auf einen Blick
Das Risiko: Erworbene Waren verursachen 32 % des CO₂-Fußabdrucks von Hager. Gleichzeitig steigen die Risiken durch die CO₂-Bepreisung und nachhaltigkeitsorientierte Beschaffungsentscheidungen.
Der Ansatz: Reduce, Replace, Recycle – eine Methodik, bei der Lösungen nach ihrem ökologischen Nutzen und ihrer wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit priorisiert werden.
Das Ergebnis: 32 % weniger CO₂ je Tonne bei recycelten Kunststoffen (Quelle: LATI Industria Termoplastici S.p.A.). Rund 23 % CO₂-Reduktion über alle PVC-Lieferanten hinweg. Dekarbonisierung der Verpackungen bei gleichzeitig niedrigeren Kosten.
Die Wirtschaftlichkeit besserer Materialien
Die Ergebnisse sprechen über alle drei Handlungsfelder hinweg für sich. CO₂-ärmere Alternativen reduzieren Scope-3-Emissionen, stärken durch eine geringere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und verbessern die Position von Hager bei nachhaltigkeitsorientierten Ausschreibungen. Gleichzeitig verringern sie den CO₂-Fußabdruck der Produkte, die unsere Kunden erwerben, und unterstützen diese dabei, ihre eigenen Klimaziele zu erreichen.
„Durch chemisches Recycling lassen sich Materialeigenschaften erzielen, die denen von Neuware entsprechen. Dadurch wird die Validierung aus technischer Sicht erheblich erleichtert – insbesondere bei anspruchsvollen Anwendungen“, erläutert Laeticia Dietrich. „Und jedes Kilogramm recycelten oder CO₂-ärmeren Materials, das wir in unsere Produkte integrieren, stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, in dem Nachhaltigkeitsnachweise zunehmend an Bedeutung gewinnen.“
In der Praxis sind CO₂-ärmere Materialien häufig teurer – manchmal nur geringfügig, manchmal deutlich. Wo die CO₂-Einsparungen jedoch erheblich sind, entscheidet sich Hager bewusst für diesen Weg. Um diese Entscheidungen fundierter treffen zu können, entwickelt das Unternehmen derzeit ein Konzept zur Bewertung der Vermeidungskosten, bei dem die eingesetzten Euro den über die verschiedenen Materialkategorien hinweg vermiedenen Tonnen CO₂ gegenübergestellt werden.
Sie möchten mehr erfahren?
Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt Governance des Hager-Nachhaltigkeitsberichts 2025/26.
Einsparungen im Herstellungsprozess von Neuware und recyceltem Kunststoff
Schätzung auf Grundlage des Vergleichs einer fossilbasierten Produktion mit einer Produktion auf Basis erneuerbarer Energien